Umwelt, Gehirn und Gewicht hängen viel enger zusammen, als man so landläufig denkt. So die Diskussionen auf dem Jahreskongress der deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Adipositas und Insulinresistenz sind assoziiert mit chronischen Gehirnveränderungen, vor allem betroffen ist das Belohnungssystem. Gesund essen, Sport treiben ... ist ein steter Kampf gegen das Gehirn. Eine Adipositas-Therapie ist also eine lebenslange, multimodale Aufgabe. Auch an die Politik! Von den Lebensmittelherstellern werden die veränderten Belohnungssysteme nämlich ausgenutzt. Man müsste Gegenmaßnahmen ergreifen um die Übergewichtigen zu schützen. (Quelle: DocCheck)
Also muss man immer wieder neu erzählen: Am Dicksein ist kaum einer selbst schuld, und Willenskraft spielt meistens keine Rolle. Aber die Hormone. Übergewichtige stecken meistens in einem hormonellen Teufelskreis. Nehmen wir Leptin, das wird im Körperfett produziert und signalisiert dem Gehirn: stopp, ich bin satt. Je mehr Fett sich im Körper ansammelt, desto ungehörter die Leptinbotschaft. Das Gehirn glaubt dann, man würde verhungern. Die Folge: Langsamerer Stoffwechsel, größerer Appetit. Dieser Tanz der hormonellen Fehlregulation macht es unmöglich nur durch Diät und Bewegung langfristig abzunehmen. In der SZ stand kürzlich: „Hier setzt Semaglutid an. Der Wirkstoff ahmt das Hormon GLP-1 nach, das der Körper nach einer Mahlzeit ausschüttet und das im Gehirn das Sättigungsgefühl auslöst. Außerdem entleert sich der Magen langsamer, weswegen Patienten von Übelkeit berichten, wenn sie zu viel essen.“ Nur: Dieses Medikament muss man für immer nehmen, es kostet viel Geld, es wird nicht immer von der Kasse bezahlt. Und wir kennen die langfristigen Folgen nicht. Eigentlich müssten wir den vielen, vielen, vielen Versuchskaninchen, die gerade gertenschlank über die roten social-media-Teppiche laufen dankbar sein. Und hoffen, dass auch hier eine echte Lösung steckt.