Wo bis Du, und wie weit bist Du schon gelaufen?
Ich bin gerade in Moissac im französischen Département Tarn-et-Garonne und bin bis hierher etwa 980 km gelaufen. Da ich die "magische" 1000 noch vollmachen möchte werde ich noch bis Auvillar weitergehen. Ich habe in Starnberg begonnen und bin ca. 220 km nach Bregenz in Österreich gewandert, durch den Pfaffenwinkel und das Allgäu. Beides sehr schöne Gegenden, die lohnenswert sind zu Fuß zu erleben. Von Bregenz aus bin ich mit dem Zug nach Genf in der Schweiz gefahren und von dort aus wieder losgepilgert. Es war sehr interessant Ländergrenzen zu Fuß zu überschreiten. Man merkt es nämlich nicht, ausser wenn einem zwei Französinnen "Bienvenue á la France!" zurufen.
Was hat sich in Deinem Kopf, Deiner Seele abgespielt?
Puh ... Eingebungen oder Einsichten hatte ich viele wertvolle für mich. Wahrscheinlich ist das Gefühl von tiefer Dankbarkeit, das ich immer wieder hatte und auch jetzt noch spüre, das Bedeutendste für mich. Dankbarkeit über die kleinen Hilfen und Geschenke, die mir andere auf meinem Weg haben zukommen lassen, dass mir mein Körper erlaubt zwischen 20 und 30 km jeden Tag zu gehen, mit über 25 kg Gepäck auf dem Rücken, dass ich Freunde, Familie und eine wunderbare Partnerin habe, die mich in vielerlei Hinsicht bei meinem Projekt unterstützen, Dankbarkeit dafür, dass ich in einer Zeit und Gesellschaft lebe, die es mir erlauben mir die Zeit für eine solche Reise zu nehmen und in denen ich mir keine fundamentalen Sorgen um meine Gesundheit machen muss.
Wie ernährt sich so ein Wanderer?
Da ich hauptsächlich "wild" zelte und sowohl Wasser als auch Essen für mehrere Tage tragen muss, ist meine Ernährung aus der gewohnten, alltäglichen Sicht relativ karg. Es gab morgens und abends jeweils 90 g (Trockengewicht) Reis in Brühe gekocht mit etwas Knoblauch. Dazu als Fett- und Proteinquelle ca. 100 g Hartkäse. Zu Anfang habe ich statt Käse Chorizzo gegessen, leider habe ich ein Gewürz darin nicht vertragen und bin deswegen auf Käse umgestiegen. Morgens gibt es dann noch einen Apfel dazu, abends zum Reis noch eine kleine Kartoffel und eine Karotte. Zu Trinken habe ich entweder einfach Wasser oder schwarzen Tee oder eine Basen-Kräutertee-Mischung. Da ich ein bisschen eine Naschkatze bin habe ich noch Karamelbonbons als Nachtisch dabei. Die kann man gleichzeitig noch als Zucker/Sahne-Zusatz in den schwarzen Tee werfen. Mittags habe ich meist diverse Trockenobst/Nussmischungen gegessen. Die sind in Frankreich sehr lecker und es gibt eine immense Auswahl. Wovon ich auch begeistert bin, ist ein französisches Minzextrakt. Einige Tropfen davon in Wasser ergeben etwas, was einem kalten Minztee entspricht. Sehr lecker, besonders wenn es heiß ist.
Wenn ich an einem kleinen Laden oder Supermarkt vorbeikomme, also alle 2-3 Tage, dann kaufe ich mir dort einfach auf was ich gerade Lust habe. Obst, Gemüse, Süßspeisen, Weichkäse, und esse das dann auf einer Parkbank sitzend. Ganz selten gehe ich auch mal in ein Restaurant zum essen – wenn ich einfach keinen Reis mehr sehen kann. Aufgrund der recht hohen körperlichen Belastung und der eher einseitigen Ernährung habe ich noch diverse Nahrungsergänzungsmittel dabei: Magnesiumtabletten, ein Multivitamin-Präparat, Omega-3-Kapseln.
Frage 3 B) Worauf freust Du Dich?
Ich freue mich auf ein Weißwurscht-Frühstück, auf Running Sushi, einen monströsen selbstgemachten Salat mit Ziegenkäse, Artischoken, Oliven, Paprika und gekochtem Ei, auf bayerisches Bier, auf Salz-Salbei-Kartoffeln mit Butter, auf Bratwürschtl mit Sauerkraut und scharfem Senf (die Franzosen frittieren ihre Würstchen gerne, was mir nicht so ganz taugt).